Wiederaufforstung in Deutschland: Wie aus Schadflächen wieder Wald wird
webwiki-Redaktion·2 Min. Lesezeit·Geprüft

Die deutschen Wälder stehen seit Jahren unter Druck. Nach den Ergebnissen der bundesweiten Waldzustandserhebung zeigt nur noch etwa ein Fünftel der untersuchten Bäume keine sichtbaren Schäden. Mehrere trockene Sommer in Folge, Stürme und die anschließende Massenvermehrung des Borkenkäfers haben vor allem in Fichtenbeständen große Lücken hinterlassen. Zurück bleiben sogenannte Kalamitätsflächen – abgestorbene oder geräumte Waldflächen, auf denen sich die Frage stellt, wie es weitergeht.
Warum Schadflächen nicht automatisch wieder Wald werden
Grundsätzlich kann sich Wald über Naturverjüngung selbst erneuern: Samen umliegender Bäume keimen auf der freien Fläche, und über Jahrzehnte entsteht ein neuer Bestand. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht überall. Auf großen zusammenhängenden Schadflächen fehlen oft die Samenbäume, konkurrenzstarke Gräser und Brombeeren überwachsen die Fläche, und Rehwild verbeißt junge Triebe, bevor sie sich etablieren können. Hinzu kommt, dass die frühere Baumart – häufig die Fichte – an vielen Standorten den veränderten Klimabedingungen nicht mehr gewachsen ist. Wo die natürliche Wiederbewaldung stockt oder in eine ökologisch unerwünschte Richtung läuft, ist eine aktive Wiederaufforstung der gängige Weg.
Der Ablauf einer Wiederaufforstung
Eine fachgerechte Wiederaufforstung beginnt nicht mit der Pflanzung, sondern mit der Standortanalyse: Bodenart, Wasserhaushalt und Lage bestimmen, welche Baumarten langfristig geeignet sind. Die Forstverwaltungen der Länder empfehlen heute überwiegend Mischwälder mit einem hohen Laubbaumanteil, weil gemischte Bestände als widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit, Sturm und Schädlingen gelten. Auf die Pflanzung folgt der Schutz vor Wildverbiss – üblich sind Zäune oder Einzelschutzhüllen – sowie mehrere Jahre Kulturpflege, in denen konkurrierende Vegetation zurückgedrängt wird. Bis eine junge Kultur als gesichert gilt, vergehen in der Regel drei bis fünf Jahre.
Kosten und Fördermöglichkeiten
Je nach Baumartenwahl, Pflanzverfahren und Schutzmaßnahmen kostet die Wiederaufforstung mehrere tausend Euro pro Hektar. Für private und kommunale Waldbesitzer existieren dafür Förderprogramme der Bundesländer, die je nach Land und Maßnahme einen erheblichen Teil der Kosten abdecken können. Die Antragstellung ist allerdings an Bedingungen geknüpft – etwa an zugelassene Baumarten, Mindestflächen oder Fristen – und unterscheidet sich von Land zu Land. Ergänzend zu den staatlichen Programmen haben sich privatwirtschaftliche Modelle etabliert, bei denen Unternehmen die Klimawirkung neu entstehender Wälder mitfinanzieren. Spezialisierte Anbieter wie die Deutsche Waldhilfe führen dabei Waldbesitzer, Förderstellen und finanzierende Unternehmen zusammen und begleiten die Abwicklung von der Prüfung der Fläche bis zur Umsetzung.
Worauf Waldbesitzer achten sollten
Wer eine Schadfläche wiederbewalden möchte, sollte einige Punkte im Blick behalten. Erstens die Fristen: Manche Förderprogramme erlauben auch die rückwirkende Bezuschussung bereits begonnener Maßnahmen, andere setzen einen Antrag vor Beginn voraus. Zweitens die Baumartenwahl, die sich an den regional zugelassenen Listen der Landesforstverwaltungen orientieren muss. Drittens das Thema Doppelvermarktung: Wird die Klimawirkung einer Fläche über ein privates Programm vergütet, darf sie in der Regel nicht gleichzeitig anderweitig als Kompensationsleistung angerechnet werden. Eine frühzeitige Beratung – durch das zuständige Forstamt, einen Förster vor Ort oder einen spezialisierten Dienstleister – hilft, diese Anforderungen von Beginn an zu berücksichtigen.
Die Wiederbewaldung der deutschen Schadflächen ist eine Aufgabe, die Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Sie entscheidet mit darüber, wie stabil die Wälder der nächsten Generation gegenüber einem veränderten Klima sein werden – und ob aus den heutigen Kahlflächen wieder funktionierende Ökosysteme entstehen.